Das Ohngesicht aus dem Film Chihiros Reise ins Zauberland ist ein eigenartiges Wesen, welches anfangs als Badegast, später als Ungeheuer in Erscheinung tritt. In Band 3 des japanischen Mangas zum Film wird das Ohngesicht nur als Maskierter bezeichnet[1].

Ahh - ahh! Ahh! Ehh ehh?!

— Ohngesicht zu Chihiro, nachdem sie sein Gold ablehnt.

Aussehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er ist ein halbdurchsichtiger, gefräßiger Geist. Seine Maske bedeckt sein Gesicht. Daher heißt er auch Ohn(e-)gesicht. Er trägt eine -Maske, die in japanischen Theaterstücken getragen werden. Sein echter Mund ist viel größer als der auf der Maske abgebildete.

Persönlichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ohngesicht als Vielfraß

Ohngesicht rastet aus (3D)

Er verschenkt Gold, um die Gunst anderer zu gewinnen. Jedoch fördert er dadurch auch die Gier der Menschen. Als er zum Beispiel dem Froschmann Gold anbietet und der Froschmann gierig das Gold an sich reißt, frisst er ihn auf. Am meisten beschenkt er Chihiro, die aber seine Geschenke nur widerwillig annimmt oder sogar ablehnt.[2]

Zuneigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um mehr Aufmerksamkeit zu gewinnen, verwandelt er Schlamm in Gold, womit er die Angestellten im Badehaus ködert. Er sucht nach Zuneigung, die er durch Chihiros Freundlichkeit erfährt. Als er mit Chihiro Zeniba besucht, widerfährt ihm auch dort Freundlichkeit. Später will er bei Zeniba wohnen, um ihr bei den Hausarbeiten zu helfen.

Einfluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Paul Gomes repräsentiert Ohngesicht die heutige Gesellschaft: Man sieht, dass Ohngesichts Verhalten immer von anderen um ihn herum abhängig ist, ja sogar die Persönlichkeiten übernimmt. Zu Chihiro ist er hilfsbereit. Sind jedoch die Mitarbeiter des Badehauses in seiner Nähe, färben ihre negativen Eigenschaften auf ihn ab. Dadurch wird er sehr gefräßig und gierig. Bei Zeniba ist er frei von schlechten Einflüssen.[3]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Durch Chihiros Einladung während eines Regenschauers, bei dem sie Schmutzwasser wegkippen will, verschafft es sich Zugang zum Badehaus Aburaya – gegen den Willen Yubabas, die den unerwünschten Eindringling so schnell wie möglich wieder loswerden will.

Der zurückhaltende Kami verteilt mit den Lauten "Ah, ah!" Gold und verwandelt sich durch die maßlose Gier der Bediensteten des Badehauses in ein gefräßiges Ungeheuer. Erst als Chihiro all seine Geschenke ablehnt, bricht seine Macht: es erhält seine ursprüngliche Form zurück, folgt ihr seitdem als treuer Begleiter und kann später bei Zeniba wohnen. Durch Chihiros Kräuter-Kloß würgte es die Mitarbeitern [4] wieder hervor und rettet ihnen somit das Leben.

Fähigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Froschmann als Schatten im Magen

Imitieren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn er eine Kreatur frisst, imitiert er deren Aussehen, kann mit der Stimme des Opfers sprechen und erhält dessen Fähigkeiten. Als er den Froschmann frisst, spricht er mit seiner Stimme und kann wie er hüpfen. Den Froschmann kann man sogar als Schatten in seinem Bauch sehen. Auch übernimmt er dessen Persönlichkeit[2]. Wenn er mehrere Kreaturen frisst, spricht er mit mehreren Stimmen. Aufgrund dieser Fähigkeit ist sein Geschlecht nicht eindeutig einzuordnen.

Umwandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ohngesicht kann „Schlamm“ in Gegenstände, wie z. B. Gold oder Marken, verwandeln.

Absorbieren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er kann alles fressen. Durch diese Fähigkeit kann er sich auch groß oder klein machen und sogar seine Gliedmaßen ausstrecken.

Mythologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der japanische Mythologie gibt es keine eindeutige Bezeichnung dieses Kamis. Zudem haben sie unterschiedliches Aussehen und Fähigkeiten. Eins der Bezeichnungen ist Noppera-Bō (dt. gesichtsloser Mönch), welcher im Film Pom Poko zu sehen ist[5]. Dieser Kami stehlt die Gesichter der Menschen. Weitere Bezeichnungen des Kamis sind Mujina, Kabukirikozō und in seltenen Fällen Jorōgumo. Letztere ist nicht zu verwechseln mit Tsuchigumo, wie z. B. Kamajī.

Wie unterschiedlich diese Nō-Kamis sind, sie alle fressen oder bestehlen den Menschen. Sie tragen jedoch keine Masken. Erst in den 1960er Jahren tragen diese Nō-Kamis Masken und trennen sich so optisch von anderen Kamis ab. Sie haben weiterhin individuelles Aussehen und Persönlichkeiten. Das einzige, was sie verbinden ist das Tragen der Nō-Maske. Letztere werden in Theaterstücken verwendet, auch Nō genannt. Es werden verschiedene Masken verwendet, aber das bekannteste von ihnen, ist diese: Je nach Blickwinkel stellt die Maske ein freudiges oder trauriges Gesicht dar.[6]

Nō-Kamis werden erst in 1960er Jahren durch Horrorfilme bekannt wie Black Cat Mansion & Tokaido Yotsuya kaidan von Nobuo Nakagawa und Kwaidan von Masaki Kobayashi. Seither sind diese Nō-Kamis ins Bewusstsein der japanischen Gesellschaft gerückt und es wird vermehrt über ihnen berichtet. Mit den Horrorfilmen bilden Nō, Kabuki und andere traditionelle Theaterformen die Grundlage für spätere Horrorfilme.[6]

Popkultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Animeserie Inu Yasha taucht in Staffel 1 Episode 11 ein Kami mit einer Nō-Maske auf. Dieser Kami ist wie Ohngesicht gefräßig, aber ihr Konzept und ihre Persönlichkeiten sind verschieden. Dies liegt daran, dass Hayao Miyazaki ihn anfangs nur als ein Kami ohne große Rolle entwarf. Doch um die Handlung des Filmes zu beschleunigen, kam Ohngesicht einer größeren Rolle zu.[7] Dementsprechend hat Ohngesicht eine andere Persönlichkeit und anderes Aussehen, als die bekannten Anime-Kamis mit Nō-Masken.

Gastauftritt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ohngesicht als Sommerween Monster in Gravity Falls.

Im Cartoon Gravity Falls hat Ohngesicht einen Gastauftritt: Summerween Trickster
Mit dem langen spitzen Hut und den dünnen Gliedmaßen sieht er der Vogelscheuche Rübe sehr ähnlich. Auch trägt er einen blauen Anhänger um den Hals, was einem Holozit-Kristalle oder dem Gyoku no Kodachi ähnelt. Doch als er sein wahres Gesicht zeigt, um die Teenies zu fressen, sieht er dem Ohngesicht sehr ähnlich. Er hat dann Süßigkeiten im Gesicht.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Arrietty-Film ist fertig, Entwurf von Ohngesicht, … (jp.), abgerufen 01.07.2010
  2. 2,0 2,1 The Art of Spirited Away (eng.), Seite 109
  3. Gomes, Paul. "Lesson Plan - Spirited Away". UHM. 12 August 2013.
  4. Zur Information: Die Mitarbeitern waren eine Yuna, Aniyaku und der Froschmann
  5. KC Nichols (20. Juni 2020). ‘Spirited Away’: The Many Faces of No-Face. Fandom. Abgerufen 22. Juli 2020.
  6. 6,0 6,1 Kinnia Yau-Shuk-ting (2011). East Asian Cinema and Cultural Heritag. Kapitel 5, Seite 101 ff.
  7. Ueka Nobukazu, ed. "Sen to Chihiro no kamikakushi" o yomu 40 no me, Tokyo: Kinema jumpou-sha, 2001, Seite 106
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